Was löst den Twitter-Effekt aus?

04.08.2013 | WERBUNG

Es grenzt an Zauberei, steht jedoch mit beiden Beinen fest auf dem Boden der Tatsachen. Das Geheimrezept für die Auslösung des “buzz” ist gefunden. Nunmehr kann es keinerlei Zweifel mehr darüber geben, wann eine Information als so wertvoll erachtet wird, dass sie sogleich in den sozialen Netzwerken an möglichst viele Freunde und Bekannte weitergetwittert wird. Der Verdienst gebührt – wie in so vielen anderen Fällen auch – amerikanischen Wissenschaftlern, und das hat nur wenig mit Magie zu tun, eher mit der Hirnforschung. Verkabelte Studenten haben unter verifizierbaren Laborbedingungen den Beweis dafür erbracht. Der Buzz ist lokalisiert, die gewonnenen Erkenntnisse stehen ab sofort auch für andere Zwecke zur Verfügung.

Beim Versuchsaufbau standen TV-Formate im Mittelpunkt des Interesses. Nicht etwa bereits realisierte Serien-Hits, sondern zündende Ideen für neue Präsentationsformen. Zu den Aufgaben der Probanden zählte es, aus zwei Dutzend vorgegebenen Vorschlägen diejenigen auszuwählen, die ihnen besonders beachtenswert erschienen. Die individuelle Auswahl war daraufhin potenziellen Nutzern vorzustellen. 19 Meinungsmacher bedienten ein virtuelles Publikum von 79 Interessenten. Der Preview erfolgte mediengerecht in Form eines überzeugenden, Neugierde weckenden Videos. In der Auswertung wurde anschließend ermittelt, welche der Testpersonen die größte Überzeugungsrate vorzuweisen hatten, und die wurden dann noch weitergehend untersucht.

Dabei hat sich herausgestellt, dass im Erfolgsfall eine überdurchschnittlich hohe Aktivität in einer bestimmten Hirnregion zu verzeichnen war. Vom Salesperson Effect sprechen die hoffnungsfrohen Wissenschaftler, was nicht bedeuten muss, dass überragende Verkäuferpersönlichkeiten in Zukunft anhand neurologischer Befunde ausgesucht werden müssen. Vielmehr ist zu befürchten, dass sich die Politik dieses Phänomens und seiner effektiven Anwendung annehmen könnte. Lassen sich Wahlkampagnen bald vorab mit solchen Methoden hinsichtlich ihrer Erfolgsquote beurteilen? Schreckensbilder entstehen nur durch eine überreizte Fantasie, der Nutzeffekt hält sich in Grenzen, wenn man bedenkt, dass jede Aktivität an dem Bedarf vorbeigeht, wenn der nicht vorhanden ist. Soaps sind nun mal keine Wahlkampfthemen, oder etwa doch?

Nähere Informationen zu dem Thema:
http://newsroom.ucla.edu/portal/ucla/how-the-brain-creates-buzz-247204.aspx

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