Wo liegen die Möglichkeiten und die Grenzen der maschinellen Übersetzung? Diese Frage ist derzeit unter Übersetzern ein heftig diskutiertes Thema. Die Verfechter der maschinellen Übersetzung haben dabei einige überzeugend klingende Argumente auf ihrer Seite. Vor allem finanzielle Gründe sprechen für die Maschine. Schließlich kommt sie deutlich billiger als der Mensch. Wer Google Translate und andere Online-Übersetzungsdienste nutzt, für den ist die Übersetzungsleistung sogar kostenlos. Auch der Zeitfaktor spricht für die Maschine: Sie kennt keine nächtlichen Ruhepausen, macht nie Urlaub und ist unschlagbar schnell. Gerade bei großen Datenmengen kann da kein Übersetzer mithalten.

Eine Maschine kennt keinen Humor

Wer schon einmal mit Google Translate einen Kommentar oder humorigen Text übersetzt hat, der weiß: Maschinen haben keinen Humor, keinen Sinn für Zweideutigkeiten und haben kein Gespür feine Ironie. Das unterscheidet sie von einem mit Gefühl für Sprache und Stil ausgestatteten Menschen. Die Maschine kann zudem nicht idiomatisch übersetzen. Feste, formelhafte Wortverbindungen sind ihr fremd. Mit stehenden Ausdrücken wie „jemandem sein Herz schenken” können sie nichts anfangen. Das Ergebnis derartiger Übersetzungsversuche ist im besten Fall lustig, im schlimmsten Fall peinlich und ordinär.

Maschinelle Übersetzer sind zudem immer nur so gut wie ihre Schöpfer. Was ihnen nicht beigebracht wurde, können sie nicht ausgeben. Vor allem aber erkennt man fast immer, ob eine Maschine oder ein Mensch am Werk war. Maschinelle Übersetzungen wirken oft etwas sperrig, die Syntax weicht von den gewohnten Mustern ab.

Maschinenübersetzungen haben also durchaus ihre Grenzen, wenn es um literarische Texte, Marketingtexte oder technische Dokumentationen geht. Doch es gibt durchaus Bereiche, in denen die künstliche Intelligenz ihren Beitrag leisten kann. Mögliche Einsatzbereiche sind etwa Hilfeforen und Diskussionsportale. In die Beschreibung, wie etwa ein Gerät funktioniert, fließt wenig oder gar kein kultureller Kontext des Schreibenden ein. Je weniger Kontext der Ausganstext hat, desto stärker ist die Maschine. Mit fachlichen Wortlisten kommt sie zum Beispiel gut zurecht.

Doch ganz sollte man etwa bei Hilfeforen auf Post-Editing nicht verzichten, rät Susanne Merris, eine Übersetzerin beim Übersetzungsdienstleister adhoc. Wer von Menschen nachbessern lässt, spart dennoch viel Geld ein, da die Maschine bereits die Basisübersetzung liefert.

Wird der Beruf des Übersetzers aussterben?

Wird der Übersetzer irgendwann einmal völlig vom Arbeitsmarkt verschwinden? Nein! Das wird nicht passieren, denn wenn es um Sprache und Stilgefühl geht, wird der Mensch der Maschine wohl auch in Zukunft überlegen sein. Dem Übersetzer werden sich durch die zusätzliche Arbeit des Editierens von Maschinen-Übersetzungen sogar neue Tätigkeitsfelder erschließen. Dass weder Mensch noch Maschine die Arbeit ausgehen wird, ist angesichts des ungebrochenen Trends in Richtung Globalisierung mehr als wahrscheinlich.